Die nächste Solar-Revolution?

Die Zukunft der Solarenergie könnte in der Wüste liegen. Dort könnten eines Tages riesige Sonnenkraftwerke entstehen, die selbst Europa mit Strom versorgen. Sie sind effektiver als Photovoltaikanlagen und brauchen kein Silizium.

Solarrinnenkraftwerk Andasol von Solar Millennium in Südspanien.

Eine zunehmend wichtige Rolle auf der Intersolar-Messe nimmt die Solarthermie ein. Zahlreiche Aussteller tummeln sich in diesem Bereich, und In Konferenzen und Workshops werden die Marktperspektiven der thermischen Solarkraftwerke dargestellt. Das Potenzial ist riesig. “Rein rechnerisch würden Solarkraftwerke auf nur einem Prozent der Fläche der Sahara ausreichen, um weltweit den aktuellen Bedarf an Elektrizität zu decken”, glaubt Wolfgang Knothe, Vorstand von MAN Ferrostaal.

Sven Moormann, Sprecher von Solar Millennium, ist optimistisch, dass eines Tages in der Sahara solarthermische Kraftwerke gebaut werden, die nicht nur Afrika, sondern auch Europa mit Strom versorgen. Das Erlanger Unternehmen würde seine Anlagen gerne in der Wüste bauen. In der Sahara scheint die Sonne über 4.800 Stunden pro Jahr – mehr als doppelt so viel wie im sonnenverwöhnten südlichen Rheintal.

Für Solar Millennium liegen die besten Standorte im so genannten Sonnengürtel der Erde zwischen dem 35. nördlichen und dem 35. südlichen Breitengrad. Vor allem Nordafrika, Spanien sowie auch China und die Vereinigten Arabischen Emirate stehen im Fokus des Interesses.

Derzeit baut oder plant Solar Millennium drei Solarrinnenkraftwerke in Spanien- in Andalusien. Die erste 50-Megawatt-Anlage Andasol-1, die im Spätsommer in Betrieb gehen soll, wird Strom für rund 200.000 Menschen liefern.

Die solarthermischen Kraftwerke nutzen die Sonne deutlich besser als die Photovoltaik-Anlagen. Sie produzieren im Durchschnitt doppelt so viel Strom. Mit Hilfe riesiger Spiegel werden die Sonnenstrahlen gebündelt und auf ein Absorberrohr in der Brennlinie konzentriert.

Darin wird Öl erhitzt, mit dem dann Dampf in einem Wärmetauscher erzeugt wird. Besonderer Clou: Zwei Salzspeicher ermöglichen das Zwischenlagern der solar erzeugten Wärme. Dank des Speichers kann das Kraftwerk auch ohne Sonne über sieben Stunden lang Strom produzieren.

Außerdem entfällt das Siliziumproblem. Für das Kraftwerk sind nur Beton, Glas und Stahl nötig. Das teure und knappe Silizium wird nicht gebraucht. Da die Investitionen in die Anlage aber noch sehr hoch sind, hängt Solar Millenium von der Einspeisevergütung für solarthermische Anlagen ab. Diese gibt es derzeit vor allem in Spanien. Deshalb sprießen dort Kraftwerke wie Pilze aus dem Boden.

In Deutschland wollen die Erlanger keine Anlage bauen. Die Sonneneinstrahlung ist zu niedrig.

Für die meisten deutschen Photovoltaik-Firmen ist Deutschland dagegen der wichtigste Markt. Noch sind die Einspeisevergütungen recht günstig. Zunehmend aber suchen auch Solarworld, Q-Cells & Co ihr Heil im Ausland. Dabei muss nicht immer Silizium in den Solarzellen eingesetzt sein. Dünnschicht-Solarzellen setzen sich immer mehr durch. Hauchdünne Schichten von Kupfer, Indium und Schwefel absorbieren das Licht besser und lassen sich günstiger produzieren. Solar ist eben nicht gleich solar.

Der deutsche Solarmarkt

Die Solarförderung wird ab 2009 zwar leicht zurückgefahren, die Solarfirmen hatten jedoch drastischere Einschnitte befürchtet. In der Union gab es Überlegungen, die Fördersätze um ein Drittel zu kürzen. Solaraktien zogen nach der Nachricht deutlich an.

In den vergangenen Monaten bereits haben die Solartitel dem Technologieindex TecDax mächtig Auftrieb gegeben. Dieser legte von März bis Mai rund 30 Prozent zu – der Dax schaffte im selben Zeitraum 17 Prozent. Sieben der 30 TecDax-Werte kommen aus dem Fotovoltaiksegment. FTD-Online gibt einen Überblick über die Solarbranche.

Solarunternehmen sind seit wenigen Jahren die Stars am Finanzmarkt. Nachdem die New-Economy-Blase platzte und der Hype um Internetfirmen nachließ, schlug die Stunde für Fotovoltaik-Experten. Allein in den vergangenen vier Jahren stürmten fünf Hoffnungsträger aus Deutschland an die Börse. Mit Centrotherm, Conergy, Ersol, Q-Cells, Phoenix Solar, Solarworld und Solon tummeln sich mittlerweile sieben Solarfirmen im TecDax. Als Schwergewicht stechen die beiden deutschen Marktführer heraus: Q-Cells mit einer Marktkapitalisierung von 8,4 Mrd. Euro und Solarworld mit einem Börsenwert von 3,6 Mrd. Euro. Beide Firmen decken weite Teile der margenträchtigen Produktionskette ab und beide haben im vergangenen Jahr kräftige Gewinnsprünge hingelegt: Q-Cells verbesserte das Ergebnis um 52 Prozent, Solarworld um 48 Prozent.

“Deutsche Firmen sind vor allem stark bei Vorprodukten, wie etwa Silizium und Wafern. Das erfordert viel Know-how, und die Margen sind vergleichsweise hoch”, sagte Solarexperte Gunter Greiner, Fondsmanager des VCH New Energy Fund. Der neue Kompromiss zur Solarförderung gibt den Unternehmen Raum zur weiteren Entfaltung und bewahrt schwächere Marktteilnehmer vor einem Aus. “Ein Förderungseinschnitt von 30 Prozent hätte kleinere Solarfirmen ausradiert und den Markt abgewürgt”, schätzt Greiner.

Die Solarfirmen erhalten keine direkten Subventionen: Sie werden nach einer Umlage finanziert, die jeder Stromverbraucher mitträgt. Das regelt das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG), das aus Klimaschutzgründen regenerative Energien stützt. Davon profitieren Unternehmen, die Strom aus Wind und Wasser, mittels Sonnenenergie, Geothermie und Biomasse erzeugen oder dabei als Zulieferer fungieren. Auch die Stromerzeugung aus Deponie-, Klär- und Grubengas fällt unter das EEG. Die Hersteller der Anlagen erhalten durch die Einspeisegarantien satte Gewinne. Der VCH Investment Group zufolge wurde das EEG bereits in mehr als 20 Länder “exportiert” und hat in Deutschland 240.000 Arbeitsplätze geschaffen.

In bestimmten Abständen wird das Gesetz auf seine Wirksamkeit hin überprüft. Da die Solarbranche schneller als erwartet gewachsen ist und die Firmen mehr Geld verdienen als veranschlagt, werden die Einspeisevergütungen nun um rund acht bis neun Prozent gesenkt. Entsprechend mehr erhalten in den Folgejahren etwa Betreiber von Offshore-Windparks, die derzeit unter Plan liegen.

Die Branche wächst jährlich um rund 30 bis 50 Prozent. Bis 2015 soll Solarstrom in Deutschland wettbewerbsfähig sein, also nicht mehr teurer sein als Netzstrom vom Energieversorger. Für sonnenreiche Länder wie Spanien, Griechenland und Italien erwartet Solarexperte Gunter Greiner von der Frankfurter VCH Investment Group bereits 2011 den Durchbruch. Dann werde nach seiner Prognose in Deutschland nur noch 25 Prozent der Umsätze erzielt. “Die Solarbranche wird dann sehr stark exportorientiert sein”, so Greiner.

Mit dieser Umwandlung werden noch unsichere Jahre auf die Solarfirmen zukommen. „Die Branche wird in fünf Jahren nicht wiederzuerkennen sein“, sagt Stewart Armer, Fondsmanager von Fortis Investment.

Unternehmen wie Solarworld und Q-Cells, die große Teile der Wertschöpfungskette abdecken, dürften eine gute Chance haben. Bislang profitieren die Deutschen vor allem von ihrem Know-how-Vorsprung. Kleinere Firmen müssen dagegen aufkeimenden Wettbewerb aus China fürchten.

Solar Boom

Hier entsteht ein Blog rund um das Thema Solartechnik, Wettbewerber und die lukrativsten Anlagemöglichkeiten in dem Bereich der alternative Energien. Wie der Name des Blogs schon vermuten lässt wird es hier schwerpunktmäßig um Aktien, Fonds und Zertifikate aus dem Solarsektor gehen.Â